geschrieben von Betty van Loon

Corona-Krise: Diese Möglichkeiten haben Selbstständige und kleine Unternehmen

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Es gibt Branchen, die wenig spüren werden von der nachlassenden Nachfrage – und andere, die umso mehr betroffen sind. Wer absehen kann, dass Kunden absagen und Auftragsgrundlagen entfallen, sollten sich lieber früher oder später informieren. Erkennbar ist bereits jetzt, dass die angebotenen Hilfen vielfältig sind. Zeit kostet es dennoch, sich mit den Möglichkeiten vertraut zu machen.

Das Maßnahmenpaket für Unternehmen ist ein „Schutzschild“ aus fünf Säulen:

  1. Erleichterung der Kurzarbeit. Gibt es nicht mehr genug Arbeit für eure Angestellten, könnt ihr nun eher Kurzarbeitergeld beantragen. Bislang ging das nur, wenn ein Drittel eurer Mitarbeiter nichts mehr zu hatte. Nun reichen bereits 10 % für den staatlichen Zuschuss.
  2. Mehr Flexibilität bei Steuern. Beispielsweise können Steuerzahlungen aufgeschoben und Vorauszahlungen reduziert werden. Auch wird bis zum 31. Dezember 2020 auf Vollstreckungsmaßnahmen verzichtet.
  3. Hilfspaket in Milliardenhöhe. Im Zentrum dieses Pakets steht eine Stärkung der KfW-Bank und der Landesförderinstitute. Diese sollen Unternehmen aller Größen mit zusätzlichen Förderungen unter die Arme greifen. Kleinstunternehmer und Freiberufler sind ausdrücklich eingeschlossen.
  4. Stärkung des europäischen Zusammenhalts. Europäische Maßnahmen wie beispielsweise eine „Corona Response Initiative“ in Höhe von 25 Milliarden Euro sollen bald folgen.
  5. Stundung von Sozialversicherungbeiträgen: ACHTUNG – der Antrag für März muss am 26. März bei der Krankenkasse eingehen!

Mehr dazu: Stellungnahme des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie

Die steuerliche Entlastung für Unternehmen umfasst diese Möglichkeiten:

  1. Herabsetzung oder Aussetzung laufender Vorauszahlungen zur Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer auf Antrag
  2. Stundung fälliger Steuerzahlungen
  3. Erlass von Säumniszuschlägen
  4. Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen
  5. Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden können Arbeitgeber voll vom Staat erstatten lassen (vorher nur zu 50 Prozent)

Mehr dazu: https://www.land.nrw/corona

Wer Liquidität benötigt, erhält Hilfe beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Es hat eine Hotline eingerichtet, unter der ihr euch über die verschiedenen Möglichkeiten informieren könnt: 030/18615-1515, Mo-Fr., 9-17 Uhr. Die Landesförderinstitute können außerdem Bürgschaften übernehmen.

Mehr dazu: KfW-Corona-Hilfen

Wer Mitarbeiter hat, muss diese womöglich in Kurzarbeit schicken:

  1. Bisher konnten Betriebe Kurzarbeit beantragen, wenn mindestens ein Drittel der Belegschaft von einem Arbeitsausfall betroffen war. Nach einem Beschluss der Bundesregierung ist das jetzt bereits bei zehn Prozent möglich.
  2. Bei Kurzarbeit könnt ihr die Arbeitszeit euer Angestellten so weit wie nötig reduzieren. Sogar bis auf null Stunden.
  3. Für die gestrichene Arbeitszeit werden die Mitarbeiter vom Staat mit 60 Prozent des pauschalierten Nettolohns entschädigt – 67 Prozent, wenn sie ein oder mehrere Kinder haben.

Ein Beispiel zur Anschaulichkeit: Ein Angestellter bekommt normalerweise 2.500 Euro netto. Würde er gar nicht mehr arbeiten, bekäme er vom Staat ungefähr 1.650 Euro netto. Arbeitet er die Hälfte der Zeit, zahlt ihr ihm dafür auch die Hälfte seines normalen Gehalts. Für die verbliebene Hälfte springt der Staat ein.

Mehr dazu: Kurzarbeitergeld – Bundesagentur für Arbeit

Auch Künstler und Freiberufler erhalten Unterstützung:

Hier stehen noch nicht alle Maßnahmen fest. Ein wichtiger Akteur ist hier die Künstlersozialkasse. Bereits jetzt stehen diese Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Erkundigt euch beim Finanzamt, inwiefern die Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer herabgesetzt oder ausgesetzt werden kann. Zusätzlich bieten viele Länder Stundungen an, oft können Säumniszuschläge erlassen werden
  2. Selbständige, die nicht gesetzlich kranken-, renten- und pflegeversichert sind, haben Anspruch auf Erstattung ihrer Aufwendungen für soziale Sicherung (§ 58 IfSG) – die Finanzämter geben dazu genauere Infos
  3. Überprüft, ob euch laut Vertrag ein Ausfallhonorar zusteht

Wer nicht arbeiten darf oder kann:

  1. Ihr seid selbst erkrankt: Dieser Fall ist für euch nicht anders, als würdet ihr mit einer anderen Krankheit zu Hause bleiben müssen. Ihr könnt nicht arbeiten und verdient somit auch nichts. Ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit würdet ihr gesetzliches Krankengeld erhalten. Eine so lange Erkrankung ist jedoch gar nicht zu erwarten.
  2. Ihr seid in Quarantäne: Seid ihr in häuslicher Quarantäne, könnt aber ganz normal am eigenen PC arbeiten, ändert sich für euch nichts. Denn schließlich verdient ihr weiterhin euren Lebensunterhalt.
    Wichtig: Anders sieht es aus, wenn die Quarantäne euch davon abhält, eurem Beruf nachzugehen. In diesem Fall greift das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Danach steht euch eine Entschädigung für eure Verdienstausfälle zu. Der Staat zahlt euch eine monatliche Summe, die sich an eurem letzten Jahreseinkommen orientiert.

Stundung von Sozialversicherungsbeiträgen:

  1. Bis zum 26. des Monats ist eine Stundung der Sozialversicherungsbeiträge möglich! Bis zum 26. März 2020 können sich betroffene Unternehmen formlos unter Bezug auf Notlage durch die Corona-Krise und Paragraf § 76 SGB IV direkt an ihre jeweils zuständigen Krankenkassen wenden.
  2. So kann der Antrag lauten:
    Stundung von Sozialabgaben/Mitteilung des GKV vom 24.03.2020
    Arbeitgeber-Nr. _______________
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    unser Betrieb ist bei Ihrer Krankenkasse unter der Betriebsnummer ____________ erfasst.
    Aufgrund der durch die Corona-Krise verursachten wirtschaftlichen Verwerfungen leiden wir unter erheblichen Einnahmeausfällen und sind leider nicht in der Lage, die Sozialversicherungsbeiträge fristgerecht zu begleichen.
    Wir beantragen daher die Stundung und Aussetzung der Vollziehung der Beiträge gemäß § 76 SGB IV für März und April 2020 bis auf Weiteres. Bitte nehmen Sie keine fälligen Lastschriften vor (Beendigung des SEPA-Mandats). Zudem ersuche ich Sie, wie von der Bundesregierung vorgesehen, von der Erhebung von Zinsen und Säumniszuschlägen abzusehen.
    Mit freundlichen Grüßen

 

Die nächste Wochen werden sicherlich Ergänzungen und weitere Klarheit für betroffene Unternehmerinnen bringen. Ich halte diesen Beitrag aktuell und bin für Hinweise dankbar!

Quellen: IHRAS GmbH, Jimdo GmbH, Marie-Luise Dött, MdB

 

 

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